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Experteninterview: Situation des Rapserdflohs in der Schweiz und in Europa

Feldbau
10.07.2019
Rapserdflohlarve auf Rapspflanze

Dr. Torsten Block, Technischer Experte für Insektizide und Beizen für Deutschland, Österreich und die Schweiz im Interview zur aktuellen Situation beim Rapserdfloh

Herr Block, seit mehreren Jahren hat der Raps keine Insektizid-Beizung mehr, in Deutschland, der Schweiz und vielen anderen westeuropäischen Ländern.  Hat die Schädlingspopulation zugenommen?
er Herbst 2014 war die erste Aussaatsaison ohne den insektiziden Beizschutz der Neonikotinoide. Das ist in vielen Ländern zusammengefallen mit einem extrem starken Auftreten des Rapserdflohs, was natürlich Zufall war. Fakt ist aber, dass verschiedene Schädlinge ohne die Beizung eine bisher nicht gekannte Relevanz bekommen haben. So hat es in den letzten Jahren in Deutschland zum ersten Mal Rapsbestände gegeben, die durch saugende Blattläuse bis zum Totalausfall von Pflanzen geschädigt worden sind. Auch so massive Schäden durch die Kohlschabe oder die Rübsenblattwespe waren für die Landwirte neu. Ähnliche Erfahrungen mussten dieses Jahr auch die Zuckerrübenanbauer machen. Den Rübenerdfloh haben viele nicht gekannt und die Überwachung des Blattlausbefalls war lange nicht notwendig gewesen.     

Was ist die Alternative zur Insektizidbeizung und wie sind die Bekämpfungserfolge?
Ohne den Schutz durch die Insektizidbeizung sind teilweise mehrere Spritzanwendungen mit Blattinsektiziden erforderlich. In Deutschland hatte sich zunächst die behandelte Fläche vervierfacht und die Anzahl der Anwendungen war um 50% gestiegen. Insbesondere der starke Blattfraß durch adulte Rapserdflöhe hat viele Landwirte veranlasst, verstärkt Insektizide zu spritzen. Verschiedene Länder wie z.B. England haben daraufhin Notfallzulassungen für die in der EU verbotenen Neonikotinoide erteilt. Andere Länder lehnen dies kategorisch ab, was zu Wettbewerbsverzerrungen führt.

In Polen ist auch der insektizide Wirkstoff Cyantraniliprole zur Beizung von Raps zugelassen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass er eine gute Wirkung gegen die Kleine Kohlfliege hat, beim Rapserdfloh aber nicht ausreichend wirkt. Aber diese weitgehende Alleinstellung für Polen bei der Zulassung dieses Wirkstoffs hat zur Folge, dass Teile der Saatgutbehandlung nach Polen verlagert werden, das behandelte Saatgut dann aber in viele Europäische Länder exportiert wird. Ob für importiertes, gebeiztes Saatgut die Zulassung vom Herkunftsland oder die Zulassung des Importlandes gilt, ist unterschiedlich. Für die Schweiz gilt: es darf nur Saatgut mit Beizen importiert werden, welche in der Schweiz zugelassen sind.          

Wie ist die Resistenzsituation beim Rapserdfloh?
Beim Rapserdfloh muss man wissen, dass er sich lange in den Rapsbeständen aufhält, auch weit über den Zeitraum hinaus, in dem er bekämpfungswürdig ist. Das bedeutet auch Insektizidmaßnahmen vor und in der Blüte gegen Stängel- und Blütenschädlinge üben einen Selektionsdruck aus. Das ist vermutlich die Ursache für die in mehreren Ländern nachgewiesene Wirkortresistenz kdr (knock down resistance) gegen Pyrethroide. Typ I und II Pyrethroide sind dabei gleichermaßen betroffen. Glücklicherweise ist der Resistenzfaktor noch relativ niedrig, sodass Pyrethroide noch wirken. Karate Zeon zeigt sich in vielen Versuchen, auch offiziellen, überlegen. In einzelnen Regionen Frankreichs und des Vereinigten Königreichs ist zusätzlich zu der kdr eine metabolische Resistenz nachgewiesen worden. Dort haben Blattapplikationen mit Pyrethroiden keine Wirkung mehr und Landwirte haben teilweise den Rapsanbau eingestellt. In der Schweiz sind Untersuchungen, um den Resistenzstatus des Rapserdflohs zu untersuchen, geplant.

Technischer Experte Insektizide Syngenta Torsten Block 
Dr. Torsten Block, Technischer Experte für Insektizide und Beizen für Deutschland, Österreich und die Schweiz