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Trends und Tipps bei der Sortenwahl

Feldbau
13.01.2020

Experteninterview mit Gabriel Müller, Technischer Marketing Manager Saatgut, Syngenta Schweiz

Jedes Jahr dasselbe, viel Wind um neue Maissorten, lohnt sich der Wechsel?

Der Zuchtfortschritt ist im Mais mehr als in anderen Kulturen vorhanden. In einer deutschen Studie wurde beim Körnermais der jährliche Ertragsfortschritt auf 1.6 dt/ha in den amtlichen Prüfungen der letzten 27 Jahre gemessen. In der Praxis wurden 1.27 dt/ha und Jahr festgestellt. Doch auch andere Kriterien werden laufend verbessert wie Standfestigkeit, Krankheitsresistenz, Futterwert und in den letzten Jahren auch vermehrt die Stresstoleranz gegenüber Umweltfaktoren. Bei diesem Fortschritt lohnt sich der Wechsel. Jedoch muss der Landwirt die Sorte auch kennenlernen auf seinem spezifischen Standort. Deshalb empfehlen wir stets nur einen Teil der Fläche mit einer neuen Sorte zu bestücken. Grundsätzlich ist auch zu sagen, dass neue Maissorten auf sehr grosses Interesse bei vielen Landwirten stossen. 

Umweltstress - was ist damit gemeint und was tut die Züchtung?

Es geht da um Hitzestress einerseits und Trockenstress andererseits. Die Züchtung und Sortenentwicklung ist daran, diese Faktoren aufzuschlüsseln und entsprechend stabilere Sorten zu selektionieren, mittels aufwändiger Feldversuche, welche den Trockenstress simulieren. Bisher war Umweltstress-Toleranz v.a im kontinentalen Klima in Osteuropa oder im südlichen Europa ein Thema. Seit dem Sommer 2018 sind solche Wetterextreme auch in Zentraleuropa bekannt. Entsprechend werden neu auch Sorten mit einem Profil angeboten, welches mit solch widrigen Umständen besser klar kommen und allgemein sehr robust sind. Diese werden bei Syngenta mit dem Label Artesian gekennzeichnet. 

Gibt es weitere Trends bei den Maissorten?

Aufgrund der erhöhten Wärmesummen im 2018 wurden allgemein mehr mittelspäte Sorten ausgesät, auch an Standorten wo sonst mittelfrühe Sorten stehen. Die Berechnung der Wärmesummen an einigen Schweizer Standorten hat jedoch ergeben, dass im 2019 diese Wärmesummen wieder tiefer waren. Leider wissen wir bei der Aussaat nicht, wie sich das Wetter entwickelt und der Landwirt muss sich für eine Sorte entscheiden. Zu späte Sorten können eine verzögerte Abreife mit sich bringen, mit entsprechenden Folgekosten. Mit zu frühen Sorten widerum verschenkt man Ertragspotetzial. 

Was empfehlen Sie bei der Sortenwahl bei diesen zunehmenden Unsicherheiten? 

Zwei Dinge: Erstens eine robuste Sorte zu wählen mit wenig Ertragsschwankungen – unsere Sorten mit der Kennzeichung Artesian erleichtern hier die Wahl. Zweitens sollte bei der Wahl von späteren Sorten nicht allzu späte Sorten genommen werden, wenn bisher mittelfrühe Sorten angebaut wurden. Eine mittelspäte Sorte mit einer zügigen Abreife innerhalb des mittelspäten Bereichs kann hier die Lösung sein. So kann das Ertragspotenzial erhöht werden, ohne jedoch ein allzu grosses Risiko einer zu späten Abreife einzugehen. Sorten wie SY Glorius oder SY Enermax zeigen entsprechend zügige Abreifeverhalten. Natürlich sind auch weitere Kriterien bei der Sortenwahl wie Krankheits-Toleranz, Standfestigkeit und Futterwert zu berücksichtigen. 

Mehr zum Thema Artesian finden sie hier.