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Werden immer mehr mittelspäte Maissorten gesät?

Aktuelles Mais
11.01.2019
Mittelspäte Maissorte

In Kürze:

  • Mittelspäte Maissorten für gute Lagen wurden 2018 vermehrt ausgesät
  • Ausserordentlich hohe Wärmesummen liessen mittelspäte Sorten aufblühen und zeitig abreifen
  • Nicht in allen Jahren funktioniert es, für den Standort eigentlich zu späte Sorten anzusäen, wie das Beispiel für das kältere Jahr 2016 zeigt
  • Ein Kompromiss für die Zukunft könnten Sorten an der Grenze zwischen mittelfrüh und mittelspät sein, wie die neue SY Pandoras

 

Mittelspäte oder späte Maissorten sind grundsätzlich eher für bevorzugte Lagen zu wählen, beispielsweise am Genfersee, im Rhônetal oder im St.Galler Rheintal. Wer im Spätsommer 2018 Flurbegehungen besucht hat um Maissorten zu besichtigen, dem bot sich in der Schweiz folgendes Bild: Meist sehr stark abgereifte frühe und mittelfrühe Sorten standen neben wuchtigen, optisch hervorragenden mittelspäten oder sogar späten Sorten.

In Anbetracht dieser Sortenschau sowie der dazu gehörenden Ertragserhebungen, dürfte mancher dazu neigen, im 2019 auf mittelspäte oder sogar späte Maissorten zu setzen. Gemäss einer Umfrage von Kleffmann 2018 ging der Trend tatsächlich bereits in Richtung mittelspäte Sorten, obwohl die frühen und mittelfrühen Sorten noch die grosse Mehrheit bilden. Doch was im Jahr 2018 bestens funktioniert hat, muss nicht immer funktionieren. Entscheidend für die frühere Abreife im 2018 sind die Wärmesummen, aber auch der Hitze- und Trockenstress der Maispflanze. Anhand der Wärmesumme kann auf den Reifezeitpunkt einer Maispflanze geschlossen werden, da die Tagestemperaturen und die Entwicklung der Maispflanzen zusammenhängen. Die Berechnung erfolgt anhand von den gemessenen Temperaturen am entsprechenden Standort.


Mittelfrühe Maissorte     Späte Maissorte

Maissorten-Demofeld im Kanton Schaffhausen: Links eine mittelfrühe Sorte, rechts daneben eine späte Sorte im Vergleich

 
Die Wärmesummen beim obigen Standort in Schaffhausen wurden für 2018 anhand von Messdaten ermittelt und ergaben 1595. Die mittelfrühe Sorte mit der FAO Zahl 220 dürfte etwa eine Wärmesumme von 1450-1500 für die die Siloreife benötigen, die spätere Sorte eine Wärmesumme von etwa 1700. Allein diese Berechnung zeigt bereits, dass die mittelfrühe Sorte zum Erntezeitpunkt am 22. August bereits überreif war. Diese Wärmesummen gelten für ideale Bedingungen, d.h. genügend Wasser- und Nährstoffversorgung. Aufgrund von Wassermangel im Sommer 2018 ging vielerorts die Abreife noch schneller vonstatten als die Wärmesumme vorgibt. Doch Vorsicht ist geboten, anhand allein dieser Geschehnisse die Sortenwahl 2019 vorzunehmen. In demselben Bemessungszeitraum (Aussaat 1.5., Ente 22.8.) wurden auch die Temperatursummen für andere Jahre für diesen Standort berechnet. Dabei wurde folgendes festgestellt: 
 
Die durchschnittliche Temperatursumme der letzten vier Jahre war mit 1440 deutlich tiefer als der Wert im Jahr 2018
Der tiefste Temperatursummen-Wert der letzten vier Jahre war nur 1260 – die Werte variieren also von Jahr zu Jahr stark
 
Das Bild im Feld hätte sich also im Jahr 2016 ganz anders präsentiert. Doch wie lange hätten im Jahr 2016  sowohl die mittelfrühe als auch die späte Sorte noch gebraucht bis zur Siloreife? Bei einer benötigten Wärmesumme von 1480 für die mittelfrühe Sorte und eine von 1700 für die späte Sorte, ergeben die Berechnungen folgenden Erntezeitpunkt: Der Reifezeitpunkt für die mittelfrühe Sorte wäre etwa Mitte September erreicht gewesen, also mehr als 3 Wochen nach dem Termin im Jahr 2018. Die späte Sorte hingegen wäre im Jahr 2016 erst etwa Ende September reif für die Siloernte gewesen. Eine Körnerreife wäre im Jahr 2016 an diesem Standort sehr schwierig zu erreichen gewesen mit einer späten Sorte, zumal die Temperaturen ab Oktober stark sinken. 
 
Kompromiss zwischen mittelfrüher und mittelspäter Maissorte
 
Ob der Sommer 2018 ein ausserordentliches Maisjahr war oder ob in Zukunft solche warmen und trockenen Sommer normal werden, wird sich zeigen. Ein ähnlich warmes Jahr mit ebenfalls hohen Wärmesummen trat im Sommer 2003 auf, das Jahr 2004 hingegen zeigte die tiefsten Wärmesummen seither. Insofern besteht die Frage, wie das höhere Ertragspotential von mittelspäten oder späten Sorten abgeholt werden kann, ohne gleichzeitig das Risiko einer schlechten oder sogar misslungenen Abreife stark zu erhöhen. Eine schlechte Abreifung führt zu Problemen beim Silieren und zu Qualitätsverlusten oder generiert hohe Trocknungskosten beim Körnermais. Der Mehrertrag im Feld kann so rasch zum Minderertag im Geldbeutel werden. Abhilfe können hier Sorten schaffen, welche im späten mittelfrühen Bereich liegen oder zwischen der Grenze von der mittelfrühen zur mittelspäten Reifegruppe. In diesem Bereich liegt beispielsweise die Sorte SY Pandoras. Mit einem äusserst gesunden Stängel, gesundem Kolben und bester Helminthosporium-Toleranz ist sie ideal für etwas längere Standzeiten im Feld. Die herausragende Jugendentwicklung begünstigt zudem eine zeitige Aussaat im April. 
 
SY Pandoras

SY Pandoras – gesunder Doppelnutzer für Standorte zwischen mittelfrüher und mittelspäter Abreife