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«Wasser zum politischen Spielball gemacht»

Schweizer Landwirtschaft
12.05.2020

Septoria bei Weizen

Statement von Syngenta nach BAFU Veröffentlichung zu Chlorothalonil-Metaboliten im Grundwasser, 12. Mai 2020

Ausgangslage

Wer aus dem Ausland in die Schweiz zurückkehrt, schätzt ganz besonders, dass man bei uns das Leitungswasser bedenkenlos trinken kann. Wir brauchen auch kein Mineralwasser, um die Zähne zu putzen. Das Trinkwasser ist von hoher Qualität und so soll es auch bleiben. Wenn Zweifel an der Qualität des Wassers aufkommen, dann führt dies zu Schlagzeilen und die Bevölkerung empört sich zu Recht.

Empörung führt dazu, dass man einen Schuldigen sucht. Seit einigen Monaten sind das Pflanzenschutzmittel - insbesondere der Wirkstoff Chlorothalonil. Das Fungizid schützt die Ernten vor gefährlichen Pilzen. Es hilft gegen Blattdürre bei Getreide und ist das einzige wirksame Mittel gegen Sprenkelnekrose bei Gerste. Der Nutzen des Mittels für die regionale landwirtschaftliche Produktion ist unbestritten. Doch nun melden Wasserwerke landauf, landab, dass insbesondere zwei Abbauprodukte des Wirkstoffs die Grenzwerte im Grundwasser an etlichen Messstellen überschreiten. Das BAFU kommt mit seiner Veröffentlichung vom 12. Mai 2020 zum gleichen Befund. Befremdend ist, dass diese Veröffentlichung in einem laufenden Verfahren erfolgt –  mit Messdaten von 2017/2018, wo die Grenzwerte eingehalten waren.

Stellungnahme Syngenta

Im sauberen Schweizer Wasser finden sich grundsätzlich Spuren von vielen Stoffen. Mit immer besseren Messmethoden werden schon kleinste Konzentrationen von Medikamenten, Kosmetika, Reinigungsmitteln und anderen Chemikalien festgestellt. Für die Gesundheit ist jedoch die gefundene Menge und die Wirkung - und nicht das Aufspüren selbst entscheidend. Trotzdem: Wenn Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln systematisch Grenzwerte überschreiten, ist dies ein Alarmzeichen und die Bevölkerung hat ein Recht auf Antworten.

Die Antwort darauf ist relativ einfach:

  • Der Bund hat im Dezember 2019 den Grenzwert für alle Abbauprodukte von Chlorothalonil grundlos um den Faktor 100 gesenkt. Auf einen Schlag lagen die Grenzwerte nicht mehr bei 10 Millionstel Gramm pro Liter Grundwasser, sondern nur noch bei 0,1 Millionstel Gramm. Hätte sich im letzten November kaum jemand um die Spuren der Abbauprodukte gekümmert, so ist nun die Aufregung gross.
  • Der Einwand, dass angesichts der Risiken der Abbauprodukte von Chlorothalonil Handlungsbedarf bestanden habe, zieht nicht. Im Gegenteil: Die Behörden selbst haben in ihrem Gutachten von Anfang Dezember bestätigt, dass die nun auch beim BAFU explizit zitierten Abbauprodukte R417888, R471811 und R419492 «nicht relevant» seien und folglich keine negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben. Sie bestätigten gleichzeitig, dass die EU den Wirkstoff Chlorothalonil nach wie vor nicht als «wahrscheinlich krebserregend» einstuft.
  • Breit kommuniziert hat die Verwaltung indes das Gegenteil und damit eine Verunsicherung der Wasserversorger und der Bevölkerung in Kauf genommen. Seither jagen die Wasserversorger Abbaustoffe, die der Bund selbst als «nicht relevant» bezeichnet. Die intransparente Information der Behörden ist ein Informationsdebakel ohnegleichen. Leider trägt auch das BAFU mit seiner heutigen Bekanntmachung nichts zur Entwarnung bei, sondern schürt im Gegenteil die Verunsicherung noch weiter.

Syngenta hat gegen den Entscheid der Verwaltung, Chlorothalonil zu verbieten, Beschwerde eingelegt. Dabei geht es  nicht nur um den Wirkstoff selbst, sondern vor allem auch darum, dass Behörden Zulassungsentscheide auf Basis von wissenschaftlichen und nachvollziehbaren Erkenntnissen zu fällen haben. Nur so ist auch in Zukunft Innovation möglich. Behördenentscheide bedürfen eines klaren rechtlichen Rahmens und sollen nicht zum Spielball der Politik werden. Dies ist aber im Fall Chlorothalonil geschehen. Die Behörden ignorieren die eigenen Erkenntnisse und befeuern gegen besseres Wissen eine polemisch geführte Debatte. Damit gefährden sie nicht nur die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen für Forschung und Industrie, sondern spielen leichtfertig und grundlos mit dem Vertrauen der Bevölkerung ins Trinkwasser.