Es ist einfacher, einen Grosskonzern in die Pfanne zu hauen
Anlässlich unserer Veranstaltungsreihe «Green Sofa Live» haben wir Ende Mai gemeinsam mit SwissHoldings zum Panelgespräch geladen. In der Cinématte in Bern diskutierten vier Experten aus unterschiedlichen Branchen zum Thema Reputation von multinationalen Unternehmen in der Schweiz und lieferten sich eine lebhafte Debatte.
Belastung der Umwelt, fragwürdige Preispolitik, Ausbeutung – die Vorwürfe, mit denen sich Grossunternehmen konfrontiert sehen, wiegen oftmals schwer. Sie können in einem Reputationsverlust resultieren, der weitreichende Folgen hat, und der sich auch im Umsatz oder der Attraktivität des Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt widerspiegeln kann.
Doch woran könnte es liegen, dass gerade multinationale Konzerne in der Schweiz oft nicht aus den negativen Schlagzeilen herauskommen und sich in Reputationsumfragen auf den hinteren Plätzen wiederfinden? Das war das spannende Thema am diesjährigen «Green Sofa Live»-Event in der gut gefüllten Cinématte in Bern, den Syngenta gemeinsam mit dem Wirtschaftsverband SwissHoldings organisiert hatte.
Die vier Panelisten deckten dabei ein weites Spektrum von Branchen und Interessen ab: So war mit Roman Mazzotta, dem Länderpräsidenten von Syngenta Schweiz, ein Vertreter eines multinationalen Unternehmens anwesend, mit dem Journalisten und MAZ-Dozenten Michael Perricone eine Stimme aus der Medienbranche vertreten, und mit Bernd Nilles, Geschäftsleiter der Fastenaktion, sass auch ein Vertreter einer Nichtregierungsorganisation auf dem «Green Sofa». Ebenfalls Platz nahm Lukas Zihlmann, Dozent für Reputationsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft FHNW und Geschäftsführer der Swiss Reputation Group, der auch den kommunikationswissenschaftlichen Aspekt in die Diskussion einbrachte.
Wie schlecht ist der Ruf der «Multis» tatsächlich?
Mit dieser Frage eröffnete Moderator Reto Brennwald das Podium. Lukas Zihlmann lieferte mit seiner Antwort den Schweizer Kontext. Gemäss ihm haben es die Konzerne hierzulande nicht leicht: «Meines Erachtens ist es eine Schweizer Eigenart, dass wir sehr kritisch und teilweise auch mit sehr wenig Stolz auf unsere grossen globalen Player blicken.»
Statt darauf stolz zu sein, dass in der Schweiz ansässige Grossunternehmen wie Roche oder Novartis weltweit führend sind, überwiegen laut Zihlmann hierzulande die Diskussionen über «Nicht-Produktthemen» wie beispielsweise hohe Managergehälter. In anderen Ländern dagegen genössen diese Konzerne oft einen viel besseren Ruf als in der Schweiz selbst.
Für Bernd Nilles dagegen macht es durchaus Sinn, dass der Fokus der Diskussion häufig nicht auf den Produkten selbst, sondern auf dem Verhalten der Grossunternehmen liegt. So gäbe es viele Produkte, die zwar in guter Absicht auf den Markt gebracht werden, vor Ort aber dann mehr Schaden anrichten, als dass sie Nutzen bringen.
Verweigern die Konzerne den Dialog?
Wenn es nach Roman Mazzotta geht, ist auch die Grösse und die damit einhergehende Anonymität von Konzernen dafür verantwortlich, dass sie hierzulande Reputationsprobleme haben. «Es ist einfacher, ein Grossunternehmen in den Medien in die Pfanne zu hauen, statt das mit einem Familienbetrieb zu machen», so Mazzotta. Michael Perricone dagegen hat den Eindruck, dass viele Menschen in der Schweiz die multinationalen Konzerne als abgehoben empfinden. Der langjährige Journalist geht sogar noch einen Schritt weiter: «Grosskonzerne verweigern sich oft den Medien – auch und gerade in Krisensituationen.»
Das lässt Roman Mazzotta nicht einfach so auf sich sitzen. Ihm zufolge geben nämlich sowohl die Medien als auch die NGOs den Unternehmen jeweils kaum Zeit, um auf allfällige Anfragen zu reagieren. «Häufig werden mehrmonatige Recherchen betrieben und bei Syngenta gibt man uns dann gerade mal 24 Stunden Zeit, um zu einem Vorwurf Stellung zu nehmen.»
NGO-Vertreter Bernd Nilles kontert: «Wir konfrontieren die Konzerne immer im Vornherein mit den Vorwürfen. Diese weisen jedoch immer sämtliche Anschuldigungen von sich und tun dann in Interviews völlig überrascht, wenn das Ganze publik wird.» Dieses Verhalten kann Reputationsmanagement-Experte Zihlmann zufolge zu weiterem Reputationsverlust führen.
Trotz der teils gegensätzlichen Meinungen sind sich die Panelisten aber in einem Punkt einig: Der gegenseitige Austausch ist enorm wichtig und muss künftig besser gefördert werden. So können hoffentlich Vorurteile und Informationsdefizite aus der Welt geschafft werden, bevor sich die Kommunikationsfronten verhärten.
Mehr zum Grünen Sofa
Das von Reto Brennwald moderierte Panelformat «Green Sofa Live» ist Teil der von Syngenta ins Leben gerufenen Gesprächsreihe «Green Sofa» rund um kontrovers diskutierte Themen wie zum Beispiel Ernährung, moderne Landwirtschaft und die Rolle von Technologien für unser tägliches Leben. Auf dem Grünen Sofa nehmen in den einzelnen Episoden Gäste aus verschiedenen Berufen und Regionen der Schweiz Platz. Das Ziel von Syngenta ist es, mit diesem Format Brücken zu schlagen und den Dialog zwischen den unterschiedlichen Branchen und Interessengruppen in der Schweiz zu etablieren und zu fördern.
Im letzten Jahr stand beim «Green Sofa Live» im Syngenta-Forschungszentrum in Stein (AG) das Thema der Digitalisierung der Landwirtschaft im Mittelpunkt. Lesen Sie mehr