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Moderne Applikationstechnik – was gilt es zu beachten?

Syngenta
14.02.2019
Spritzgerät

Für eine erfolgreiche, umweltschonende und gesetzeskonforme Applikation von  Pflanzenschutzmitteln sollten Produktauswahl, Zeitpunkt und Technik an die Kultur sowie den Schadorganismus angepasst werden.

Es gilt bei der Auswahl von Düsentypen, Düsengrössen, Druck und Wasservolumen ein paar Gesetzmässigkeiten zu beachten (siehe Grafik 1). Die Kenntnis dieser Gesetzmäs- sigkeiten erleichtern die Auswahl und helfen, Fehler oder Fehlüberlegungen zu vermeiden.

 

Abhängigkeit von Bedeckungsgrad, Bestandesdurchdringung und Abdriftrisiko zu Tropfengrössen

Tropfengrössen

  • Die Bedeckung der Zielfäche nimmt mit der Zunahme der Tropfengrösse ab. Dies kann durch eine Erhöhung des Wasservolumens wenigstens teilweise kompensiert werden. Wassermengen von mindestens 200 l/ha werden darum empfohlen.
  • Kontaktprodukte benötigen eine höhere Bedeckung als systemische Wirkstoffe. Eine höhere Bedeckung kann mit höherem Druck (= kleinere Tropfen), kleinerer Düsengrösse (= kleinere Tropfen), höherer Wassermenge und/oder einer Standard-Flachstrahldüse erreicht werden.
  • Grössere Tropfen dringen wegen der höheren kinetischen Energie (~Bewegungsenergie) besser in die Bestände ein als kleine Tropfen. Eine gute oder bessere Bestandes-durchdringung erreicht man nicht durch höheren Druck, sondern mit grösseren Tropfen! Wieso ist das so: wird der Druck erhöht, werden die Tropfen kleiner, doch kleinere Tropfen haben weniger kinetische Energie und schweben länger in der Luft und sind deshalb auch abdriftgefährdeter.
  • Kleine Tropfen führen zu einer besseren Bedeckung, sind aber auch viel stärker abdriftgefährdet als grössere Tropfen.
  • Kleinere Düsengrössen produzieren kleinere Tropfen als grosse Düsengrössen.

 

Die moderne Applikationstechnik soll die eingesetzten Wirk-stoffe sicher an die Zielflächen anlagern und die Verluste durch z. B. Abdrift auf ein Mindestmass reduzieren. Für eine aus heutiger Sicht optimale Applikation und um beide Ziel-setzungen zu erreichen, ist eine mitteltropfige Düsentechnik zu bevorzugen. Tropfen mit einem mittleren volumetrischen Durchmesser (VMD) von ca. 150 – ca. 450 Mikrometer  (= 0,15 – 0,45 mm) werden empfohlen. Die Kenntnis und  Berücksichtigung der oben erwähnten Gesetzmässigkeiten erleichtern die korrekte Düsenwahl sehr.

Die herkömmlichen Flachstrahldüsen werden heute immer mehr durch Injektordüsen abgelöst. Die Sprühflüssigkeit wird in den Injektordüsen mit angesaugter Luft vermischt. Dank einem Druckabbau in der Vorkammer wird der Anteil feiner Tropfen entscheidend verringert. Auf dem Markt erhältlich sind kompakte und lange Versionen. Beide funktionieren nach demselben Prinzip. Kompakte Düsen werden bei einem tieferen Druck von 1,5 bis 6 bar je nach Anbieter eingesetzt. Die längeren Injektordüsen sind für einen höheren Druck- bereich (3 – 8 bar) gebaut.

Spritzbildvergleich

Spritzbildervergleich auf wasserempfindlichem Papier: Standard- Flach strahldüse und Injektordüse, beide bei 2 bar Druck. Unterschiedliche Tropfengrössen führen zu unterschiedlichen Belägen und Bedeckungen.

Antidrift- oder Injektordüsen wurden, wie es der Name ja be-reits vermuten lässt, entwickelt, um die Abdrift zu reduzieren. Besonders sensibel auf Abdrift von Pflanzenschutzmitteln können aquatische Organismen in Oberflächengewässern rea- gieren. Deshalb hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Weisungen betreffend der Sicherheitsabstände zu Oberflächen-gewässern und Massnahmen, die eine Reduktion dieser  Abstände erlauben, erlassen. Mit einer Düse, die als 90% abdriftmindernd eingestuft ist, kann der Sicherheitsabstand also von 50 m auf 6 m reduziert werden. Bei einem Sicherheitsabstand von 20 m reicht eine Düse, die 75% abdriftvermindernd eingestuft ist. Dies zeigt deutlich, dass sich ein paar Überlegungen zur Auswahl der richtigen Düse lohnen, um sowohl das Potential der Pflanzenschutzmittel optimal ausschöpfen zu können, aber auch die Umwelt, vor allem aber Oberflächengewässer, vor Abdrift maximal zu schützen.

Das Julius-Kühn-Institut (JKI) in Deutschland hat die meisten auf dem Markt erhältlichen Düsen auf ihre Abdriftminderung getestet und in 3 Klassen eingeteilt: 50%, 75% und 90% (bzw. 95%)  abdriftmindernd, und dies immer im Vergleich zur Standard- Flachstrahldüse 110 03.

Anhand der folgenden Tabelle vom Julius Kühn-Institut (JKI), dem deutschen Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, kann die Driftreduktion bestimmt und optimiert werden. Je nachdem, welche Düse verwendet und mit welchem Druck gearbeitet wird, erreicht man beispielsweise eine Driftreduktion von 50% (=0,5 Punkt, gelb markiert), 75% (=1 Punkt, blau markiert), 90% (=2 Punkte, dunkelgrün) oder 95% (=3 Punkte, hellgrün markiert).