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Zukunft hat Herkunft

20 Jahre Syngenta

20 Jahre ist es her, dass Syngenta durch den Zusammenschluss von Novartis Agribusiness und dem Agrogeschäft von AstraZeneca gegründet wurde. Seither unterstützt das Unternehmen Landwirte weltweit erfolgreich mit bahnbrechenden Innovationen, getreu dem Unternehmenszweck «Bringing plant potential to life». Die Wurzeln von Syngenta reichen jedoch viel weiter als 20 Jahre zurück. Die Visionäre, die 1758 das erste Vorgängerunternehmen von Syngenta, Geigy, gründeten, hätten sich wohl kaum vorstellen können, dass das Unternehmen bis weit ins 21. Jahrhundert hinein florieren würde.

Während wir mit Stolz auf unsere Errungenschaften und Erfahrungen zurückblicken, freuen wir uns auch auf die spannende Zukunft, die vor uns liegt. Mit der Gründung der Syngenta-Gruppe im Jahr 2020 bieten sich für uns noch mehr Möglichkeiten, Landwirten die besten Innovationen zu liefern und sie dabei zu unterstützen, die Weltbevölkerung sicher, nachhaltig und mit Respekt gegenüber unserem Planeten zu ernähren.

Anlässlich des 20 jährigen Jubiläums von Syngenta berichtet unser langjähriger und geschätzter Mitarbeiter Matthias Brandl, Leiter der Forschung & Entwicklung im Bereich Biologicals, von seinem beruflichen Werdegang im Unternehmen und die vielversprechenden Möglichkeiten, die Biologicals als Beitrag für die moderne und nachhaltige Landwirtschaft bieten. Ergänzend dazu gibt Christian Saglini, Leiter Kundenmarketing Biocontrols für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Auskunft über den Einsatz von Biologicals in der Schweizer Landwirtschaft: Das Vario-Spritzprogramm im Weinbau.

Interview mit Matthias Brandl (Leiter F&E Biologicals) zum 20. Jubiläum von Syngenta

Seit wann arbeitest Du für Syngenta und was hat Dich zum Unternehmen geführt?

Mein erster Arbeitstag, damals bei einem der Vorgängerunternehmen der heutigen Syngenta, der Ciba-Geigy AG, ist ziemlich genau 33 Jahre her – es war der 1. Dezember 1987. Ich wurde dort direkt nach Abschluss meines Studiums der Biologie/Mikrobiologie/Fermentation in der Pflanzenschutzforschung im neu geschaffenen Bereich Basic Research Microbiology als Laborleiter eingestellt. Da ich in einer ländlichen Region im Schwarzwald aufwuchs, kam ich während meiner Kindheit und Jugend schon früh mit Landwirtschaft in Berührung. Schon damals habe ich mich für Biologie interessiert und war begeistert von der Vielzahl an Möglichkeiten, die die Natur, vor allem die unfassbare Vielfalt an Mikroorganismen zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten, Unkräutern und Insekten bieten.

Das Foto links wurde bei meinem Eintritt ins Unternehmen vor 33 Jahren aufgenommen. Das rechte Bild ist ein aktuelles.                 

Syngenta Matthias Brandl

33 Jahre - eine lange Zeit. Bist Du durchgehend im Bereich Biologicals tätig gewesen?

Nein, nach den ersten 10 Jahren in der Forschung mit Schwerpunkt Naturstoffe und Biologicals (Fokus auf Bts – Bacillus thuringiensis) habe ich mich aus der Forschung in den kommerziellen Bereich synthetischer Produkte verändert. Innerhalb der folgenden 15 Jahre hatte ich dort vielfältige Positionen, wie zum Beispiel im Produkte Management, Ländermarketingverantwortung und Business Development. Im Bereich Business Development haben wir uns vor einigen Jahren Biologicals intensiv angeschaut und einige wichtige Projekte auf den Weg gebracht. Das hat dazu geführt, dass ich vor etwa 6 Jahren wieder zurück in die Forschung ging und seither dort mit all der Erfahrung aus den verschiedenen Positionen der letzten 33 Jahre meine Begeisterung und Knowhow im Bereich Biologicals einbringe. Ich durfte im Laufe meiner Karriere an vielen spannenden Projekten und Produkten mitwirken und hatte die Möglichkeit in der Schweiz (Basel), USA (Florida und North Carolina), sowie Spanien (Madrid) für Syngenta zu arbeiten.

Worauf basieren die Wirkmechanismen von Biologicals?

Biologicals bieten sehr viele Möglichkeiten und Ansätze zur Bekämpfung von unliebsamen Insekten, Pflanzenkrankheiten und Unkäutern. Daneben können Biologicals ebenso wichtige Beiträge zur Pflanzenstimulation bieten.

Biologicals  werden in vier allgemeine Technologiegruppen eingeteilt:

  • Pflanzenextrakte
  • Makroorganismen – wie spezielle nützliche Insekten, welche Insektenschädlinge bekämpfen – Beispiel parasitierende Wespen (Schlupfwespen)
  • Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Viren
  • RNA basierte Biologicals: Dabei wird hoch spezifische Doppelstrang-RNA auf der Pflanze verteilt, welche die Schädlinge beim Fressen der Pflanze aufnehmen. Die RNA stoppt dann im Schädling die Synthese essentieller Proteine und legt so den Erreger oder Schädling lahm. 

Warum kommt biologischen Pflanzenschutzstrategien Deiner Meinung nach eine immer wichtigere Rolle in der modernen Landwirtschaft zu?

Die Suche nach einem neuen Wirkstoff im Bereich Pflanzenschutz wird zunehmend schwieriger und gleicht der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen: Nur eine von 160‘000 getesteten Einzelsubstanzen schafft es schliesslich als Pflanzenschutzmittel auf den Markt. Sogenannten Biologicals kommt daher als Quelle für neue Wirkmechanismen eine immer wichtigere Rolle zu.

Bei der Arbeit mit Biologicals greift man auf die Kreativität der Natur zurück, welche im Laufe von Millionen/Milliarden von Jahren unzählige, interessante, bisher meist unbekannte Wirkmechanismen geschaffen hat.

Meistens besitzen Biologicals gleichzeitig mehrere Wirkmechanismen und bieten somit wertvolle Instrumente im Resistenzmanagement auch im ÖLN-Anbau oder in der integrierten Produktion. Sie ergänzen den synthetischen Pflanzenschutz aber auch in Pflanzenschutzstrategien, wo der Handel oder Verarbeiter eine Maximalzahl für Wirkstoffe im Endprodukt vorgibt, z.B. im Weinbau oder bei Obst und Gemüse (Rückstandsoptimierung). In unserem Forschungs-und Entwicklungsstandort in Stein (AG) arbeitet Syngenta v.a. an den folgenden zwei Bereichen:​

  • Bio-Protection: Schädlinge wie Insekten, Milben oder Unkräuter und Pflanzenkrankheiten sollen mit anderen Organismen bekämpft werden. Die Wirkungsweisen sind vielfältig und können auf Wettbewerb um Nährstoffe, Verdrängung, Parasitismus, direkte Hemmung oder anderen natürlichen Mechanismen beruhen.
  • Bio-Stimulation: Hierbei ermöglichen die Biologicals ein verbessertes Pflanzenwachstum durch Optimierung der Aufnahme von Nährstoffen, durch Stimulation von wichtigen Stoffwechselprozessen in der Pflanze oder gar durch Schutz gegen abiotische Umweltfaktoren wie Dürre, Hitze, Kälte usw.. Zur Erforschung und Entwicklung dieser Produkte werden neuartige molekulare und analytische Techniken eingesetzt.

Worauf liegt der aktuelle Forschungsschwerpunkt im Bereich Biologicals bei Syngenta?

Syngenta arbeitet intensiv an Beiträgen und Lösungen in beiden Bereichen, der Bio-Protection, sowie auch Bio-Stimulation.

Bio-Protection

Wichtig bei diesen Forschungsaktivitäten ist, dass die biologischen Testsysteme, welche anfangs einen vernünftig hohen Testprobendurchsatz erlauben müssen, möglichst nahe zu den späteren Anwendungsbereichen im Gewächshaus- oder Feldeinsatz sind. Hierzu hat Syngenta zahlreiche innovative, sogenannte in vivo / in planta Testsysteme im Routineeinsatz. Bei der Suche und Entwicklung von neuen Produkten unterhält Syngenta verschiedene in-house Aktivitäten, aber ebenso auch Kooperationen mit externen Forschungsgruppen verschiedenster Institutionen (Firmen, Universitäten, etc.). Ein gutes Beispiel ist hierfür die Kooperation mit DSM in Holland. DSM ist nicht in der Landwirtschaft tätig, bietet aber verschiedene Bereiche mit grosser Erfahrung und Technologien, welche die Arbeiten von Syngenta in Biologicals ideal ergänzen und unterstützen. Die bisherige Zusammenarbeit seit 2015 läuft sehr gut und erfolgversprechend.

Bio-Stimulation

Bereits seit einigen Jahren bestehen im Segment Bio-Stimulatoren sehr produktive Kooperationen mit Forschungsgruppen verschiedener Institutionen. Wir sind stets interessiert an gemeinsamen Projekten und Partnerschaften mit Start-ups, um Innovationen im Bereich Biologicals voranzutreiben.

Mit der  Übernahme von Valagro im Oktober 2020 hat Syngenta ihre Marktpräsenz und Position im Biologicals Segment deutlich verstärkt. Valagro ist eines der marktführenden Unternehmen im Bereich innovative biologische Produkte, mit einer marktführenden Position bei Bio-Stimulatoren. Die Verstärkung mit dem Kauf von Valagro steht voll und ganz im Einklang mit der Strategie von Syngenta Crop Protection AG, Landwirten zusätzliche, ergänzende Wahlmöglichkeiten bei nachhaltigen Produkten und Technologien zur Verbesserung der Pflanzengesundheit zu bieten, Innovationen im Resistenzmanagement zu beschleunigen und abiotischem Stress wie z.B. Hitze, Kälte oder Wassermangel bei Nutzpflanzen entgegegenzuwirken. Für Valagro erschliessen sich mit der bestehenden globalen Struktur der Syngenta Crop Protection AG neue Möglichkeiten und Chancen, den Zugang zum globalen Markt weiter auszubauen und Landwirten weltweit eine Toolbox anzubieten, um Kulturen effektiv und nachhaltig anzubauen, die Bodengesundheit verbessern, Rückstände in den Nutzpflanzen verringern und auf die steigenden Anforderungen der Gesellschaft an die Nahrungsmittelproduktion einzugehen.

Was sind die Herausforderungen im biologischen Pflanzenschutz?

Biologicals müssen eine Reihe an Anforderungen erfüllen:

  • Vor allem die Aktivität muss überzeugen, diese muss stets zuverlässig und unter verschiedensten Bedingungen gleichbleibend sein.
  • Darüber hinaus müssen die biologischen Produkte auch in die normale Landwirtschaftspraxis passen. Sie sollten 1 bis 2 Jahre gelagert werden können.  Auch Tankmischungen sollten möglich sein. Bei der Anwendung von lebenden Organismen müssen diese zudem draußen im Feld noch biologisch aktiv sein.
  • Sie sollen in der Natur in ausreichender Menge vorkommen und nachhaltig gewonnen werden können. Z.B. sind Extrakte aus seltenen Pflanzen ein „no go“, da wir nicht Biodiversität für Pflanzenschutzlösungen opfern können. In manchen Fällen können solche Extrakte aber im Labor synthetisch nachgebildet und hergestellt werden – ohne die negativen Auswirkungen auf die Natur bei der Gewinnung.

Vor allem im Segment der Mikroorganismen steckt noch unglaubliches Potenzial, das noch lange nicht ausgeschöpft ist. Die Vielfalt der Mikroorganismen ist nahezu unerschöpflich und bisher nur im Ansatz verstanden. Ein bisher kaum bearbeitetes Gebiet ist die Unkrautbekämpfung mit Biologicals. Hier gibt es bisher praktisch noch keine zufriedenstellenden Lösungen und auch wenig Ansätze hierzu. Eine der künftigen Herausforderungen wird es sein, selektive Biologicals zu finden, die man spritzen und auch bei Mischverunkrautung einsetzen kann.

Ergänzendes Interview mit Christian Saglini (Leiter Kundenmarketing Biologicals für Deutschland, Österreich und die Schweiz)

Christian Saglini

Werden Biologicals Deiner Meinung nach konventionelle Pflanzenschutzmittel in der Zukunft ersetzen?

Biologicals sind kein „Allheilmittel“, sondern bleiben eine wichtige und an Bedeutung zunehmende Ergänzung zum synthetischen Pflanzenschutz. Denn auch künftig ist jede Art von Landwirtschaft darauf angewiesen, ihre Kulturen zu schützen, um die Produkte in der vom Konsumenten gewünschten Qualität zu einem erschwinglichen Preis herzustellen – egal ob ÖLN, IP ode Bio-Landbau. Biologicals können da als zusätzliche Tools für das Resistenzmanagement sehr nützlich sein.

Wie sieht diese Ergänzung von Biologicals im Pflanzenschutz-Portfolio für den Schweizer Landwirten in der Praxis aus?

In der Schweiz bieten wir seit 2018 ein Spritzprogramm für Winzer an, welches auf die Integration von biologischen Pflanzenschutzmitteln bei der Bekämpfung von Krankheiten in Reben setzt. Bei günstigen Klimabedingungen kann das sogenannte Vario-Spritzprogramm zum Einsatz kommen, das nach Ende der Blüte ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Wirkstoffen durchgeführt wird. Dabei werden die Behandlungen ab Vegetationsbeginn bis Ende der Blüte der Reben gemäss dem bewährten Standard-Spritzprogramm ausgeführt. In dieser Zeit können erste Infektionen auftreten. Es ist wichtig, einen ersten Befall durch Pilzkrankheiten wie Falschen und Echten Mehltau frühzeitig mit bewährten systemischen Produkten zu vermeiden. Herrschen nach der Blüte der Reben weiterhin „gefährliche“ Klimabedingungen mit hohen Temperaturen und immer wieder einsetzenden Regenfällen -  so dass mehr oder weniger eine ständige Infektionsgefahr besteht - , empfehlen wir, mit den Behandlungen gemäss Standard Spritzprogramm bis zum Ende der Spritzungen im August fortzufahren.

Zeichnet sich jedoch nach dem Blühstadium der Reben aufgrund trockener und heisser Klimabedingungen ein nur geringes Infektionsrisiko ab, kann das Spritzprogramm Vario angewendet und der Echte wie der Falsche Mehltau ohne chemisch-synthetische Wirkstoffe bekämpft werden. Bei dieser Bekämpfungsmethode müssen die Spritzintervalle kurz gehalten werden, da die Wirkungsdauer kürzer als bei konventionellen Produkten ist. Es muss also mit mehr Behandlungen gerechnet werden. Das Befallsrisiko ist zudem grösser und damit auch der Beobachtungsaufwand.

Entscheidend für die Wirksamkeit der Biologicals ist das Timing bei der Ausbringung. Die Anwender müssen zum Beispiel wissen, wann genau der Krankheitsinfektionszeitpunkt auftreten kann und wie sich die Insektenpopulationen entwickeln, um möglichst präzise am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt zu applizieren. Bei biologischen Wirkstoffen ist der Appplikationsspielraum deutlich kleiner und das Fehlerrisiko entsprechend höher als bei konventionellen Pflanzenschutzmitteln.

Syngenta
27.11.2020