Winzer Martin Wiederkehr auf dem Green Sofa: «Ohne Pflanzenschutz gibt es keinen Wein»

Syngenta News
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Der Klimawandel und Schädlinge setzen den Weintrauben auf den Rebbergen zu. Wenn sich klimatische Faktoren verändern, zeigt dies Auswirkungen auf die unterschiedlichen Rebsorten in den verschiedenen Lagen. «Winzer müssen sich in der Pflege der Reben dem Klimawandel anpassen», sagt Martin Wiederkehr auf dem «Green Sofa». Umgekehrt bedeutet dies auch, dass aufgrund der Erderwärmung heute in der Deutschschweiz Merlot oder auch die alte französische Rotweinsorte Malbec angebaut werden kann. Das, meint der Winzer, sei erst seit etwa dreissig Jahren möglich.  

 

 

Schutz gegen Pilze 

Die Reben müssen aber auch gegen Krankheiten wie etwa Pilze geschützt werden, die teilweise erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts hierzulande eingeschleppt worden sind. Pilzbefall durch echten Mehltau, falschen Mehltau und Traubenfäulnis gehören dabei zu den grössten Schädlingen auf dem Weinberg. Winzer versuchen den Pilzbefall durch eine optimale Laubwand zu verhindern und setzen Pflanzenschutzmittel ein, «in möglichst geringen Dosen», wie Winzer Martin Wiederkehr ausführt. Für ihn gilt aber auch: «Ohne Pflanzenschutz, keine Ernte, ohne Ernte keinen Wein in den Flaschen, und wenn wir keine Flaschen verkaufen können, stirbt der Weinanbau.» 

 

Auf dem «Green Sofa» zeigt er anschauliche Fotografien, die diese Zusammenhänge aufzeigen. Bilder mit schönen, reifen, fruchtigen Weintrauben, die mit den erforderlichen Mengen von Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sind. Bilder aber auch, die falsch oder mit zu geringen Dosen behandelte, weniger schöne Weintrauben zeigen, die zudem mit Fäulnis durchsetzt sind. Zahlreiche Weinbeeren sind braun und verdorrt. Schliesslich eine dritte Fotografie, auf der keine einzige Weinbeere mehr gesund ist – Weintrauben, die nie mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sind. «Daraus», meint der Winzer, «gibt es keinen einzigen Tropfen Wein.»  

Es sei auch so, dass sowohl im konventionellen Anbau wie in der Integrierten Produktion (IP) wie auch im Biorebbau für eine erfolgreiche Ernte Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssten. Der Unterschied bestünde lediglich darin, dass beim Biowein oder unter dem Demeter-Label grundsätzlich keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürften. Allerdings würden beim biologischen Anbau kupferhaltige Spritzmittel eingesetzt, «ein Schwermetall also, das im Boden gebunden bleibt», konstatiert der Weinfachmann. Im Bio-Pflanzenschutz zugelassene Kupfersalze sowie Schwefel werden in der Regel durch eine Synthese hergestellt und gehören dadurch zu den synthetischen Pestiziden. 

 

«Ohne Pflanzenschutz keine Ernte, ohne Ernte keinen Wein in den Flaschen, und wenn wir keine Flaschen verkaufen können, stirbt der Weinanbau.»  

Martin Wiederkehr, Geschäftsführer Weinbauzentrum Wädenswil 

 

Züchtung neuer Rebsorten 

Alternativen? Neue Rebsorten zu züchten, die entweder gegen einen Schädling sogenannt  singlerestistent oder gar gegen mehrere multiresistent sind. Im Weinbauzentrum Wädenswil, welches auch ein Forschungszentrum für Weinanbau ist, werden solche neuen Rebsorten bereits auf einem Fünftel der Fläche angebaut. Doch diese Vorgehensweise hat Haken. Zum einen können auch gegen Schädlinge tolerante Reben mit der Zeit ihre Resistenz verlieren. Zum anderen ist die Natur in ständiger Bewegung, entwickelt sich immer weiter, sodass immer neue Schädlinge auftreten können. Nicht zu vergessen die invasiven Arten wie zum Beispiel die eingeschleppte Kirschessigfliege. Hinzu kommt: Vom Moment der Züchtung bis eine Rebsorte auf den Weinberg kommt, vergehen in der Regel eine Generation, also 25 Jahre. «Auch in diesem Vierteljahrhundert wollen wir noch das eine oder andere Glas Wein trinken können», meint Martin Wiederkehr. Und dann schiebt der Geschäftsführer des Weinbauzentrum Wädenswil noch entscheidende Sätze nach: «Der Pflanzenschutz wird auch in fünfzig Jahren noch da sein. Nicht so wie heute, aber er wird da sein.» 

  

Dieses Gespräch wurde im Mai 2021 aufgezeichnet.  


Was ist «Green Sofa»?  

Das Grüne Sofa ist das Herzstück unserer mehrteiligen Gesprächsreihe zu Themen rund um unser Essen und Trinken, die moderne Landwirtschaft und die Rolle des Pflanzenschutzes in unserem Alltag. Neben Moderatorin Christa Rigozzi nehmen Gäste aus verschiedenen Regionen der Schweiz und unterschiedlichen Berufsfeldern Platz, die eines gemeinsam haben: Sie sind Expert:innen in ihrem Fach, und die Qualität unserer Lebensmittel und der Schutz unserer Pflanzen liegen ihnen am Herzen. 

Ergänzt werden die Episoden durch Sequenzen, die einen Einblick in das Arbeitsumfeld unserer Gäste geben, vom Rebberg bis zum Forschungslabor. So wird das Grüne Sofa zu einem verbindenden Element, das Zusammenhänge hinterfragt, die wir allzu oft als selbstverständlich hinnehmen. 

Das Grüne Sofa ist aber nicht nur bei Interviews vor Ort präsent, sondern auch als Teil einer ganzen Sitzgruppe, die zu Live-Gesprächen in grösserer Runde einlädt. In unserem “Green Sofa Live” Format bietet Moderator Reto Brennwald ausgewählten Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft und dem interessierten Publikum eine Plattform, um über Themen wie die Digitalisierung in der Landwirtschaft, Herausforderungen im Pflanzenschutz oder die öffentliche Wahrnehmung von globalen Unternehmen in der Schweiz zu diskutieren. 

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